PLATON
Gefolgt von
monolog eines virus
theater 111
Grossackerstrasse 3
St.Gallen
PLATON
Gefolgt von
monolog eines virus
theater 111
Grossackerstrasse 3
St.Gallen
Über seinem Stück über den amerikanischen Whistleblower zerrt Pierre Massaux Verdrängtes ins Licht
Mit Strohhut, Flipflops und einer leichter Sommerbluse tänzelt Alexandra Kraft ins Rampenlicht; sie wirkt beschwingt und lebenslustig. Kaum aber ist sie richtig angekommen in der kargen Szenerie, kaum wendet sie den Blick in Richtung Zuschauer, gefriert ihre Miene. Alle Unbeschwertheit weicht Entsetzen. Welche Wahrheit offenbart sich ihr in diesen Augenblick ?
Alexandra Kraft spielt in dem rund 70-minütigen Solo, viel Facetten aus. Mal ist sie die ahnungslose junge Frau, mal Erzählerin und Chronistin, mal Sprachrohr Snowdens.
Sie selbst bewegt sich in diesem «inneren Raum» der Szenerie wie im Labyrinth.
Bettina Kugler, St. Galler Tagblatt, September 2020
Von Denis de Rougemont
Quelle belle surprise de voir ce spectacle!
Un thème très actuel pour un livre écrit en 1940…
Malheureusement le diable – comme Dieu – est éternel.
Florence de Rougemont, Genève
Comme vous avez bien condensé La Part du Diable! Et d’impliquer des réfugiés.
Merci tellement pour cette belle soirée Philippe de Rougemont
Sehr ausdrucksvolle Schauspielerinnenn und Schauspieler. Bravo A.G
Mutig und berührend E. M
RUDOLF STEINER
Friedrich Rittelmeyer
La lumière surgit des ténèbres
Der Titel deutet es an : Das Licht überwindet die Dunkelheit.
Selbsterkenntnis ist nicht delegierbar: Das macht Steiners Lehre anspruchsvoll-es macht aber auch den Theaterabend anforderungsreich. Nathalie Hubler verzichtet auf alle illustrierende Theatralik, stellt sich in den Dienst des Worts, mit kargen Gesten und Positionswechseln deutet sie den Ringen Rittelmeyers um Verständnis an.
Der Mann (Félix Ebneter) wird kein Wort sagen. Er ist die Projektionsfigur für die Sprecherin (Nathalie Hubler), wechselweise verkörpert er und spricht sie beide Personen, vielleicht ist er auch ein Dritter, Zuhörer und Mitdenker entlang der geistigen Welt, die Rittelmeyer im Dialog mit Steiner entwirft.
Saiten, 6. Juni 2020)
Nah mit Rudolf Steiner
Die erste Aufführung fand Ende August im Stall eines Bauernhofs in Trogen/AR statt. Heuballen als Kulisse für ein Theaterstück - den Zusammenhang schafft die Person Rudolf Steiner. Der Begründer der Anthroposophie, 1861 geboren und 1925 gestorben, hat auch pionierhafte Forschungen zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft angestellt, die lange vor der Boom der Bioproduktion auf Demeter-Höfen praktiziert wurde. Friedrich Rittelmeyer, Theologe und Autor, war Steiner 1911 begegnet und wurde nach anfänglicher Skepsis zu einem engen Weggefährten Steiner. Sein Buch Mein Lebensbegegnung mit R.S. dient Massaux als Material für ein Zweipersonenstück. Anekdoten und Hintergründe zur Persönlichkeit Steiners wechseln gemäss Ankündigung mit Zeitanalysen, etwa zum Ersten Weltkrieg. Der Titel tönt hoffnungsvoll : La lumière surgit des ténèbres. (Su)
Wie Literatur Leben verändern kann
Das bisher erst auf Französisch und Englisch erschiene Buch Strianos, hat Pierre Massaux mit Asylbewerbern einstudiert. Viele von ihnen haben nur einfache Deutschkenntnisse, doch sie spielen Shakespeare mit einem Selbstvertrauen, das ihnen die Erarbeitung mit dem belgischen Regisseur ermöglicht hat. Pierre Massaux setzt einfache Stilmittel ein, die stark wirken. Etwa der helle Teppich, auf dem ein Insasse hin und her tigert wie in einem Gefängnisinnenhof. Die Darsteller spielen mit vollem Körpereinsatz, tanzen den Sturm sogar einer Choreographie zu Beethovens gleichnamiger Klaviersonaten. Stark ist das Stück vor allem dann, wenn die Asylbewerber Gefängnisinsassen spielen.
« Der Sturm von Sasá », schildert auf eindrückliche Weise, wie Literatur einen Menschen verändern kann. Die Asylbewerber haben durch das Theaterprojekt die Sprache intensiv kennen gelernt und an ihrer eigenen Kreativität gearbeitet.
Mirjam Bächtold, St. Galler Tagblatt FOCUS, Dienstag, 23. April 2019
Ein Theaterprojekt von THEATER STOK
und Le Théâtre du Sacré
Uraufführung in deutscher Sprache
nach dem Buch „L’Argent - sa vie, sa mort“
von Jean-Claude Carrière
Première:
THEATER STOK, Zürich
Donnerstag 16. November 20.00 Uhr
Weitere Vorstellungen: Freitag 17. bis Sonntag 19. November
Mittwoch 22. bis Sonntag 26. November
Beginn: 20.00 Uhr/Sonntag 17.00 Uhr
Theater 111, St. Gallen
Sonntag 3. Dezember 17.00 Uhr
Dienstag 5. Mittwoch 6. Dezember 20.00 Uhr
Mit: Peter Doppelfeld, Amélie Hug, Ener Yagcioglu, Nicole Schulthess und Dominic Jedele
Konzept, Bühnenfassung und Regie: Pierre Massaux
Übersetzung: Jeanne Schütze, Peter Doppelfeld
Licht: Roland Brand
Kostüme: Orhan Akdag
DAS GELD, SEIN LEBEN, SEIN TOD
Grabrede
Gewandet wie ein Hohepriester, umringt von vier Jüngern, beschreibt Peter Doppelfeld als abstraktes Wesen Geld, den Kreislauf von Entstehen und Wirken ebendieses Gottheitenersatzes an dessen Untergang. Eine Grabrede mit Würdigung, Inschutznahme, Lobpreisung – und Verachtung. Basis ist der Text »L’argent, sa vie, sa mort » von Jean-Claude Carrière – der an die Première anwesend war.
Im Kellergewölbe des „Theater Stok“ wirkt dieser Ritus mit langen Gewändern, brennenden Kelchen und ausladend pathetischen Gesten der Bedeutsamkeit wie ein Treffen eines Geheimbundes mit der Absicht der Ehrenrettung der Abstraktion Geld.
Zürich, Kultur, 1.12.2017
Geld – guter Diener, schlechter Meister
Geld, mit dem man reden kann. Das man endlich alles fragen darf und das uns seine Sicht der Dinge mitteilt. Was dann geschieht, zeigt das Theaterstück.
Das Geld wird als eine Figur verkörpert, die geboren wird, gedeiht, ihre Lage hinterfragt, mit den Menschen interagiert, sich manchmal versteckt, aber auch krank wird und – stirbt? Vier weitere Figuren begleiten das Geld durch die Vorstellung. Sie kommentieren seine Absichten und Taten, analysieren Zustände, stellen Fragen, beurteilen und verurteilen auch seine Handlungen und Wirkungen.
Hier stellt sich die Frage: sollen wir in der gleichen Art und Weise fortfahren oder unsere Beziehung zum Geld ändern?
Peter Doppelfeld in « Zeipunkt »
Briefe und Tagebuch von Wilm Hosenfeld
Die Tochter des Judenretters sitzt im Publikum
Eine der Zuschauerinnen ist Jorinde Krejci-Hosenfeld, Wilms Tochter. Ich bin beeindruckt. Es ist eine völlig neue Art, mit den Texten meiner Eltern umzugehen, sagt die 86-Jährige.
Ein würfelförmiger Brunnenplätscher in der Mitte der Bühne, dahinter steht Balken, davor liegt Erde auf dem Boden. Ebenso minimalistisch wie das Bühnenbild sind die Kostüme. Die spartanische Ausstatttung gibt Raum für die Sprache, für die Worte Wilm Hosenfeld.
Die reiche Sprache des deutschen Offiziers wird umso eindringlicher, wenn man bedenkt, dass die Asylbewerber und Flüchtlinge auf der Bühne jedes Wort verstehen lernen mussten, denn sie sind erst dabei, Deutsch zu lernen.
Pierre Massaux lässt die Darsteller mit einer Choreographie beginnen, die unter die Haut geht. Zur Musik aus der Kantate Wachet auf, ruft uns die Stimme von J.S.Bach.
Und man fragt sich, welche Schicksale die Darsteller selbst in heutigen Kriegen erlebt haben…
Mirjam Bächtold , St. Galler Tagblatt
Theaterprojekt „présent“
Mit: Tsering Dongchentsang, Michael Eyob, Daniel Gebrehiwet, Khalid Hassen, Nathalie Hubler, Dekyi Gyelgo Tong, Lhashik Resartsang, Hajer Tadesse, Fitsum Teklezghi, Rinchen Yutoksang, Sarah Bellorti.
Theater 111 St.Gallen
EUGÈNE IONESCO
Und der Rest ist Schweigen (Für Kultur, gegen Politik, St. Gallen 1979)
GIOVANNI SEGANTINI
Kunst ist Liebe in Schönheit gehüllt - Schriften und Briefen
Schönheit ist ein Menschenrecht
Gleich zwei Stücke mit Geflüchteten aus Eritrea, Tibet, Syrien, Afghanistan und Sri Lanka haben diesen Monat in St. Gallen Première : « Eine sprachliche Intensivstation » sagt Regisseur Pierre Massaux.
Es braucht Mut, auf die Bühne zu gehen, den Sprung in den Käfig zu wagen. Wir wenden uns an Menschen, die Lust darauf haben, sich auf solche Texte und auf Theater einzulassen, sagt Massaux. Wortschatz, ein alles andere als alltagssprachlicher Satzbau, Aussprache : Daran feilt die Gruppe Tag für Tag, geduldig und intensiv.
Tsering aus Tibet hat früher Tiere gehütet. «Jetzt hütet sie Menschen » sagt Pierre Massaux und lacht. «Sie ist unser Polizist». Konzentriert und ruhig deklamiert sie auf der Bühne ihren Text. Hat jemand einen Hängen, hilft sie nach.
Um all dies schon an den Proben in den Mittelpunkt zu stellen, arbeitet Massaux mit äusserster Reduktion in Gesten, Bewegungen, Ansstattung. Gerade das erfordert grosse Konzentration.
« Wir sind der letzte Schein eines Sonnenuntergangs », deklamiert sie in der Schlussszene. Was hier keineswegs pessimistisch klingt.
Bettina Kugler, St. Galler Tagblatt, 7. September 2017
Hyperion – Friedrich Hölderlin
2016 kam Pierre Massaux HYPERION - DER WEG INS LICHT in Zürich zur Uraufführung. Er erarbeitete diesen großartigen Text mit jungen Migranten aus aller Welt, die gerade 10 Monate in der Schweiz waren und mit Lernen des Hölderlin Textes auch Deutsch lernten.
Es ist ein Stück gelebte Utopie, zu sehen, dass man durch das Eintauchen in die Dichtung einer bestimmten und unverwechselbaren Kulturlandschaft, den Ozean des Seins berührt.
Dann noch eine präzise Synchronisation von Haltung, Bewegung und Sprache zu bekommen, ist noch ein weiteres. Die Mitwirkenden verströmen am Abend der Première eine Ruhe und Gelassenheit, sie spielen für das Höhere, für ihre Freiheit, sie zelebrieren die Freiheit.
Das ist eine Situation, die selten ist auf dem Theater. Hier bekommt das Theater wieder seinen transzendenten Aspekt zurück und bleibt gleichzeitig Kunst-Stück.
Solche Arbeiten sind kulturelle Schätze, sie weisen den Weg, wie zusammen Leben funktionieren kann. Es kommt auch auf die kleinen Dinge an.
Isabelle Krötsch, Freies.Feld
Der Todesmarsch überlebt
Einzige Besetzung des Stücks ist die Schauspielerin Nicole Edelmann, die auf einer Bühne mit Requisiten, die an Ruinen erinnern sollen, als Teilnehmerin der Gewaltmärsche an den Erlebnissen von Dikran Zarmanian teilhaben lässt.
Massaux ‘Stück basiert auf den Erinnerungen von Dikran Zarmanian, der an einem Todesmarsch teilnahm und in belgische Exil entkommen konnte. Um die Auszüge aus dem Lebensbericht in einen Kontext zu stellen, kombiniert Massaux sie im Stück untere anderem mit Auszügen aus der Bibel, auch Auszüge eines Aufrufs des französischen Politikers Jean Jaurès, 1896 vor dem französischen Parlement.
St. Galler Tagblatt, Donnerstag 17. September 2015
Ein Stoff von brennender Aktualität
Der Stoff könnte aktueller nicht sein, sagt Darstellerin Nicole Edelmann in Anspielung auf die aktuelle Flüchtlingskrise Europa.
Hervorragend und eindringlich gespielt !
Ganz entsetzlich, grausam wahr und leider wieder aktuell,
oder immer noch! Danke für diese eindrückliche Vorstellung.
Grossartige Nicole Edelmann, eindrückliches Stück
Herzlichen Dank !
Macht sehr nachdenklich !
Schauspiel: Nathalie Hubler
St. Gallen, Basel, Herisau
Vom Suchen und Finden.
Die Verknüpfung von Gralssuche und Atombombe, welche Nathalie Hubler wagt, überrascht und irritiert erst einmal. Aber nach und nach erschliesst sich die Logik dieser Kombination, und das Neben- und Ineinanderschneiden der Parzivalgeschichte und von Texten und Reden zum Bombenabwurf über Hiroshima bringt verblüffende Parallelen ans Licht. (...) Bei aller Eingängigkeit bleibt die Frage: Darf man das? Darf man die menschengemachte Tragödie von Hiroschima neben eine mittelalterliche Sage stellen? In Nathalie Hublers Produktion (bei der Pierre Massaux Regie führte) und ihrem zurückhaltenden Spiel mit feinen Überblendungen wird es legitim. „Die letzten Hoffnungsbotschaften sind die, die von Mensch zu Mensch weitergegeben werden“, heisst es zum Schluss: es ist die starke Botschaft, die im intimen Rahmen dieses Einfrau- Erzähltheaters glaubwürdig wird.
St.Galler Tagblatt22. November 2013
Schauspiel: Mario Pacchioli, Fabienne Welte und das Ensemble »présent«
St. Gallen, Herisau
Wegleitungen zu einem Genie
Ganz schlicht und griechisch klassisch gehalten kommt dieser Abend daher. Pierre Massaux hat auch mit vier Männern mit Migrationshintergrund gearbeitet. Den Beethoven dieser neuen Produktion des Théâtre du Sacré gibt der Bündner Schauspieler Mario Pacchioli. Klar und präsent, aber immer in recht gleichbleibender Kontur spielt er den Komponisten. Eine schöne Szene ist die Rezitation eines Beethoven-Textes an die „Unsterbliche Geliebte“ durch Fabienne Welte.(...) Durch einen ruhig und etwas linear inszenierten Mix aus Textpassagen und Musik schafft es Pierre Massaux mit seiner Truppe, Interesse am Komponisten zu wecken, das über das rein Biographische hinausgeht. Es ist kein spektakulärer Theaterabend, sondern einer, der vielleicht dazu einlädt, Musik wieder anders zu hören, nicht nur als Klangrausch, sondern als Botschaft, die auf tiefere Dimensionen oder Daseinsfragen weisen.
St. Galler Tagblatt, 13. September 2013
Von Révérien Rurangwa
Schauspiel: Diogène Ntarindwa, Nathalie Hubler, Thomas Fuhrer und das Ensemble »présent«
St. Gallen
Das Leiden im Keller
Es ist harte Kost und schwer erträglich, was Massaux den Zuschauer vorführt. In den Worten Révérien Rurangwas schildern die neun Schauspieler detailliert und nüchtern, wie die Tutsi abgeschlachtet werden. Familienmitglied um Familienmitglied, Körperteil um Körperteil. Manches wird auch für Révérien selbst (eindringlich gespielt von Diogène Ntarindwa) zu viel. Schmerzt ihn das Erinnern zu sehr, zischt er, fleht um Schweigen, bricht zusammen, stöhnt und zittert. (...) Die Schauspieler bleiben stoisch, die Bewegungen rituell, die Blicke ernst und starr. Die Handlung vollzieht sich allein in der Vorstellung des Zuschauers.
Der Keller der Rose erweist sich als Spielort äusserst passend. Das karge Gewölbe, die Haken an der Decke, die Tritte aus Metall an der Wand: all das weckt an diesem Abend Assoziationen zu Folter und Gewalt. Ein Eindruck, der durch das Bühnenbild noch verstärkt wird: zwei Ziegelsteine, eine Machete, zwei Holzbänke, und dazwischen liegt verloren eine Kerze am Boden.
St.Galler Tagblatt, 19. Oktober 2012
Von Mark Medoff
Schauspiel: Corinne Parrat (miss handicap 2009/2010) Tobias Bonderer, und das Ensemble »présent«
St.Gallen
Lass mich Mensch sein
Pierre Massaux fokussiert im Theaterstück auf die Bruchstellen in der Beziehung zwischen einer Gehörlosen und einem Hörenden.
James (Tobias Bonderer) unterrichtet an einem Internat für Gehörlose. Seine Ambitionen sind gross. Den Gehörlosen Schülern (gespielt von vier Migranten) doziert er in der Gebärdensprache über die Schönheiten der klassischen Musik. Die erste Begegnung zwischen ihm und der schönen, gehörlosen Sarah (Corinne Parrat) die einst im Internat zur Schule ging, scheint noch harmonisch, aber das Konfliktpotenzial zwischen den beiden ist bereits erkennbar. Pierre Massaux zeigt in seiner Inszenierung: Hörende und Gehörlose leben in zwei verschiedenen Welten. Die Beziehung von James und Sarah ist mit einer binationalen Beziehung vergleichbar; wobei James sich in beiden Kulturen auskennt und beide Sprachen spricht, Sarah aber über Gebärden kommuniziert und sich ganz in ihre Lebenswelt zurückgezogen hat.(...) Diese Art der Kommunikation mag am Anfang seltsam sein, aber wird mit der Zeit zu einem faszinierenden Erlebnis.
St. Galler Tagblatt, 1. Juli 2011
von Mourad Benchellali
Schauspiel: Tahani Salim, Walter Eggenberger und das Ensemble von »présent«
St.Gallen
Was die 13köpfige Truppe (darunter einige AsylbewerberInnen) des Théâtre du Sacré leistete, war konzentrierte Meditation über eigentlich Unsagbares.
Hierbei beeindruckt die Collage von Erinnerungen des Häftlinges mit Koran-Passagen oder Zitaten aus Goethes »West-östlichem Diwan«.
Pierre Massaux setzt kompromisslos aufs Wort, und hier merkt man ihm das Bemühen an, den Stoff nicht voyeuristisch preiszugeben. Und der Abend ist Ausdruck gelungener multikultureller Theaterarbeit.
St.Galler Tagblatt, Juni 2010
Folterqualen als rituelles Theater
Eine mutige Stoffwahl und keine bequeme Entscheidung. Denn im Theater über die Leiden der Gefangenen zu sprechen, die ausserhalb jeglichen Rechts leben müssen, heisst eine heikle Gratwanderung.
Was die 13köpfige Truppe darunter einige Asylbewerber des « Théâtre du Sacré » leistete, war konzentrierte Meditation über eigentlich Unsagbares…. Der Abend nimmt den Zuschauer über das Wort mit. Und hierbei beeindruckt die Collage von Erinnerungen des Häftlings mit Koran-Passagen oder Zitaten aus Goethes »West-östlichem Diwan»
Pierre Massaux setzt kompromisslos aufs Wort, und hier merkt man ihm das Bemühen an, den Stoff nicht voyeuristisch preiszugeben. Und der Abend ist Ausdruck gelungener multikultureller Theaterarbeit. St. Galler Tagblatt, Martin Preisser
Die Autobiographie des Guantánamo-Häftlings Mourad Benchellali leuchtet den Albtraum auf Kuba in all seinen Facetten aus.
Internationales Ensemble
Im Schauspielensemble wirken 13 Frauen und Männer aus aller Welt mit, darunter mehrere Asylsuchende, die zum ersten Mal auf eine Bühne stehen. Sie kommen aus Afghanistan, Eritrea, Tibet, Angola, Kosovo und England. Der ehemalige Fernsehjournalist Walter Eggenberger und Tahani Salim, eine Schauspielerin aus Palästina, die in der Schweiz lebt, verstärken die Produktion. Alles scheint bereit für ein weiteres Plädoyer für mehr Humanität. Der Regisseur sagt: Orange sei kein politisches Stück- Tatsächlich?
Philippe Reichen, St. Galler Tagblatt, 3. Juni 2010
Schauspiel: Thomas Fuhrer, Nathalie Hubler, Paul Debelle und das Ensemble »présent«
St. Gallen, Herisau, Speicher
...Bestellt Rabhi das Feld auf dem eigenen Hof mit Kursen, Vorträgen und Büchern wie „Parole de terre“ so spürt Regisseur Pierre Massaux künstlerisch engagiert Oasen der Menschlichkeit auf; er arbeitet unermüdlich – und gegen den Trend des Theaterbetriebs, der um Moral und Weltverbesserungs-ansprüche einen weiten Bogen macht – daran, trockengelegte Quellen des Mitgefühls, der Anteilnahme im Zuschauer zum Sprache zu bringen.
...Seine Kunst hat eine klare Botschaft, Selbstbezüglichkeit liegt ihr ebenso fern wie ästhetische Extravaganz. Im Mittelpunkt steht stets der Mensch.
Im kargen, weissgetünchten Gewölbe des Kellers zur Rose wirkt das fast rituell –als Gottesdienst für Mutter Erde, Requiem und Bussandacht zugleich; multikulturell, ökumenisch, frei von Dogmen.
St.Galler Tagblatt, September 2009
Die Macht der kleinen Gesten
Mit Pierre Rabhis Aufzeichnungen „Stimme der Erde“ hat Pierre Massaux ein dafür passendes Stück gefunden. Es ist die Macht der kleine Gesten, mit denen das Schauspielensemble, in dem nebst Asylsuchenden, Ausserrhoder Jugendliche und professionelle Schauspieler mittun, am meisten Wirkung erzielt.
Appenzeller Zeitung, 24. September 2009
Schauspiel: Kathrin Bosshard, Nathalie Hubler
St. Gallen, Herisau, Basel, Zürich, Luzern
Simone Weil: Ganz unten
...ist mehr als eine biographische Hommage an die Philosophin und Anarchistin, die Gewerkschafts-kämpferin und christliche Mystikerin mit jüdischen Wurzeln. All die Facetten ihrer Person und ihres Werkes blitzen in Schlaglichtern auf: dazwischen bestellen die Schauspielerinnen unter der Regie von Pierre Massaux ein fruchtbares Assoziationsfeld, ohne es platt abzugrasen.
... Ein hartes Stück Arbeit, das schwebend leicht reichlich zu denken gibt.
St.Galler Tagblatt, 30.01.2009
Philosophie - Theater
Die nur mit einer Plane am Boden und einigen Kissen ausgestattete Bühne, die langsamen und spärlichen Bewegungen der Darstellerinnen verstärken den beklemmenden Eindruck zusätzlich.
Es ist keine leichte Kost, die die Kathrin Bosshard und Nathalie Hubler servieren. Die philosophischen Texte von Platon, und Simone Weil verlangen volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Das Stück wirkte zusammen mit dem Kellerraum des Unternehmens Mitte, in dem sich die Bühne befindet, so stark auf das Publikum, dass es am Ende einen Moment regungslos, und stumm auf den Stühlen verharrte.
Basellandschaftliche Zeitung, 14. März 2009
Schauspiel: Monica Quinter
St. Gallen
Die andere Marilyn
Pierre Massaux bringt es in seinem Stück auf den Punkt: Marilyn Monroe war seit ihrer elternlosen Kindheit auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit.
Irgendwann lässt Monica Quinter in der Rolle der Monroe den schwarzen Umhang fallen, den sie trägt. Hervor sticht eine Kopie des weit ausgechnittenen goldenen Kleides, mit dem Monroe auf berühmten Fotos posiert. Ihre Sprache und Gesten werden lasziv, wenn sie zum Thema Sexualität spricht. Purer Narzissmus dringt durch.
Eben doch, denkt man sich. Aber doch nicht ganz, kontert der Regisseur immer wieder. Pierre Massaux zeigt verschiedene Seiten und schafft so ein vielschichtiges, verkanntes Bild des Glamour-Girls.
Monica Quinter lebt in dieser Monroe-Figur mit Genuss und nimmt das Publikum über siebzig Minuten für sich ein.
St.Galler Tagblatt, 21.04.06
von Martin Gray
Schauspiel: Daniel Wolf
Lausanne, Genève, Fribourg, La Chaux de Fonds, Bulle, Sion, Bruxelles
Tirée du livre de Martin Gray „Au nom de tous les miens, a captivé plus de 300 spectateurs à Bulle en première mondiale.
DanielWolf est donc son porte voix dans cette pièce. Le comédien se glisse magistralement dans la peau de Martin Gray. Durant une heure d’un monologue poignant, il donne une autre résonnance, une émotion renouvelée, à un récit déjà connu de 30 millions de lecteurs.
La mise en scène dépouillée et sobre, signée Pierre Massaux, renforce l’intensité du moment.
Thierry Jacolet, La Liberté, Fribourg, 4.11.2005
Nach Michael Ende
Schauspiel: Nathalie Hubler und Boris Knorpp
St. Gallen und Umgebung
L’art conduit l’homme par la main, par le verbe, l’image, par la musique, à la source même du mystère.
Eugène Ionesco, Pour la culture, contre la politique, 1979
Der Mensch kann mit der Ewigkeit nur leben, wenn er die Möglichkeit findet, in der rechten Weise in der Zeit zu leben. Denn für den Menschen soll sich in der Zeit das Ewige nicht nur offenbaren, sondern durch den Menschen, durch die Zeit soll sich für den Menschen das Ewige erleben lassen.
Rudolf Steiner, 31.12.1921