sie ist unsterblich
SNOWDEN DIE WAHRHEIT
Über seinem Stück über den amerikanischen Whistleblower zerrt Pierre Massaux Verdrängtes ins Licht
Mit Strohhut, Flipflops und einer leichter Sommerbluse tänzelt Alexandra Kraft ins Rampenlicht; sie wirkt beschwingt und lebenslustig. Kaum aber ist sie richtig angekommen in der kargen Szenerie, kaum wendet sie den Blick in Richtung Zuschauer, gefriert ihre Miene. Alle Unbeschwertheit weicht Entsetzen. Welche Wahrheit offenbart sich ihr in diesen Augenblick ?
Alexandra Kraft spielt in dem rund 70-minütigen Solo, viel Facetten aus. Mal ist sie die ahnungslose junge Frau, mal Erzählerin und Chronistin, mal Sprachrohr Snowdens.
Sie selbst bewegt sich in diesem «inneren Raum» der Szenerie wie im Labyrinth.
Bettina Kugler, St. Galler Tagblatt, September 2020
Der Anteil des Teufels
Von Denis de Rougemont
Quelle belle surprise de voir ce spectacle!
Un thème très actuel pour un livre écrit en 1940…
Malheureusement le diable – comme Dieu – est éternel.
Florence de Rougemont, Genève
Comme vous avez bien condensé La Part du Diable! Et d’impliquer des réfugiés.
Merci tellement pour cette belle soirée Philippe de Rougemont
Sehr ausdrucksvolle Schauspielerinnenn und Schauspieler. Bravo A.G
Mutig und berührend E. M
Rudolf Steiner
RUDOLF STEINER
Friedrich Rittelmeyer
La lumière surgit des ténèbres
Der Titel deutet es an : Das Licht überwindet die Dunkelheit.
Selbsterkenntnis ist nicht delegierbar: Das macht Steiners Lehre anspruchsvoll-es macht aber auch den Theaterabend anforderungsreich. Nathalie Hubler verzichtet auf alle illustrierende Theatralik, stellt sich in den Dienst des Worts, mit kargen Gesten und Positionswechseln deutet sie den Ringen Rittelmeyers um Verständnis an.
Der Mann (Félix Ebneter) wird kein Wort sagen. Er ist die Projektionsfigur für die Sprecherin (Nathalie Hubler), wechselweise verkörpert er und spricht sie beide Personen, vielleicht ist er auch ein Dritter, Zuhörer und Mitdenker entlang der geistigen Welt, die Rittelmeyer im Dialog mit Steiner entwirft.
Saiten, 6. Juni 2020)
Nah mit Rudolf Steiner
Die erste Aufführung fand Ende August im Stall eines Bauernhofs in Trogen/AR statt. Heuballen als Kulisse für ein Theaterstück - den Zusammenhang schafft die Person Rudolf Steiner. Der Begründer der Anthroposophie, 1861 geboren und 1925 gestorben, hat auch pionierhafte Forschungen zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft angestellt, die lange vor der Boom der Bioproduktion auf Demeter-Höfen praktiziert wurde. Friedrich Rittelmeyer, Theologe und Autor, war Steiner 1911 begegnet und wurde nach anfänglicher Skepsis zu einem engen Weggefährten Steiner. Sein Buch Mein Lebensbegegnung mit R.S. dient Massaux als Material für ein Zweipersonenstück. Anekdoten und Hintergründe zur Persönlichkeit Steiners wechseln gemäss Ankündigung mit Zeitanalysen, etwa zum Ersten Weltkrieg. Der Titel tönt hoffnungsvoll : La lumière surgit des ténèbres. (Su)
Der Sturm von Sasà
Wie Literatur Leben verändern kann
Das bisher erst auf Französisch und Englisch erschiene Buch Strianos, hat Pierre Massaux mit Asylbewerbern einstudiert. Viele von ihnen haben nur einfache Deutschkenntnisse, doch sie spielen Shakespeare mit einem Selbstvertrauen, das ihnen die Erarbeitung mit dem belgischen Regisseur ermöglicht hat. Pierre Massaux setzt einfache Stilmittel ein, die stark wirken. Etwa der helle Teppich, auf dem ein Insasse hin und her tigert wie in einem Gefängnisinnenhof. Die Darsteller spielen mit vollem Körpereinsatz, tanzen den Sturm sogar einer Choreographie zu Beethovens gleichnamiger Klaviersonaten. Stark ist das Stück vor allem dann, wenn die Asylbewerber Gefängnisinsassen spielen.
« Der Sturm von Sasá », schildert auf eindrückliche Weise, wie Literatur einen Menschen verändern kann. Die Asylbewerber haben durch das Theaterprojekt die Sprache intensiv kennen gelernt und an ihrer eigenen Kreativität gearbeitet.
Mirjam Bächtold, St. Galler Tagblatt FOCUS, Dienstag, 23. April 2019
DAS GELD – sein Leben sein Tod
Ein Theaterprojekt von THEATER STOK und Le Théâtre du Sacré
Uraufführung in deutscher Sprache nach dem Buch „L’Argent - sa vie, sa mort“
von Jean-Claude Carrière
Première:
THEATER STOK, Zürich
Donnerstag 16. November 20.00 Uhr
Weitere Vorstellungen: Freitag 17. bis Sonntag 19. November
Mittwoch 22. bis Sonntag 26. November
Beginn: 20.00 Uhr/Sonntag 17.00 Uhr
Theater 111, St. Gallen
Sonntag 3. Dezember 17.00 Uhr, Dienstag 5. Mittwoch 6. Dezember 20.00 Uhr
Mit: Peter Doppelfeld, Amélie Hug, Ener Yagcioglu, Nicole Schulthess und Dominic Jedele
Konzept, Bühnenfassung und Regie: Pierre Massaux
Licht: Roland Brand
Kostüme: Orhan Akdag
DAS GELD, SEIN LEBEN, SEIN TOD
Grabrede
Gewandet wie ein Hohepriester, umringt von vier Jüngern, beschreibt Peter Doppelfeld als abstraktes Wesen Geld, den Kreislauf von Entstehen und Wirken ebendieses Gottheitenersatzes an dessen Untergang. Eine Grabrede mit Würdigung, Inschutznahme, Lobpreisung – und Verachtung. Basis ist der Text »L’argent, sa vie, sa mort » von Jean-Claude Carrière – der an die Première anwesend war.
Im Kellergewölbe des „Theater Stok“ wirkt dieser Ritus mit langen Gewändern, brennenden Kelchen und ausladend pathetischen Gesten der Bedeutsamkeit wie ein Treffen eines Geheimbundes mit der Absicht der Ehrenrettung der Abstraktion Geld.
Zürich, Kultur, 1.12.2017
Geld – guter Diener, schlechter Meister
Geld, mit dem man reden kann. Das man endlich alles fragen darf und das uns seine Sicht der Dinge mitteilt. Was dann geschieht, zeigt das Theaterstück.
Das Geld wird als eine Figur verkörpert, die geboren wird, gedeiht, ihre Lage hinterfragt, mit den Menschen interagiert, sich manchmal versteckt, aber auch krank wird und – stirbt? Vier weitere Figuren begleiten das Geld durch die Vorstellung. Sie kommentieren seine Absichten und Taten, analysieren Zustände, stellen Fragen, beurteilen und verurteilen auch seine Handlungen und Wirkungen.
Hier stellt sich die Frage: sollen wir in der gleichen Art und Weise fortfahren oder unsere Beziehung zum Geld ändern?
Peter Doppelfeld in « Zeipunkt »
DER PIANIST UND SEINER RETTER
Briefe und Tagebuch von Wilm Hosenfeld
Die Tochter des Judenretters sitzt im Publikum
Eine der Zuschauerinnen ist Jorinde Krejci-Hosenfeld, Wilms Tochter. Ich bin beeindruckt. Es ist eine völlig neue Art, mit den Texten meiner Eltern umzugehen, sagt die 86-Jährige.
Ein würfelförmiger Brunnenplätscher in der Mitte der Bühne, dahinter steht Balken, davor liegt Erde auf dem Boden. Ebenso minimalistisch wie das Bühnenbild sind die Kostüme. Die spartanische Ausstatttung gibt Raum für die Sprache, für die Worte Wilm Hosenfeld.
Die reiche Sprache des deutschen Offiziers wird umso eindringlicher, wenn man bedenkt, dass die Asylbewerber und Flüchtlinge auf der Bühne jedes Wort verstehen lernen mussten, denn sie sind erst dabei, Deutsch zu lernen.
Pierre Massaux lässt die Darsteller mit einer Choreographie beginnen, die unter die Haut geht. Zur Musik aus der Kantate Wachet auf, ruft uns die Stimme von J.S.Bach.
Und man fragt sich, welche Schicksale die Darsteller selbst in heutigen Kriegen erlebt haben…
Mirjam Bächtold , St. Galler Tagblatt
